Reisebericht 2011


Meine Sambia-Reise
Aus dem Augenwinkel eines Mitreisenden betrachtet /Georg Grabowsk

15. April 2011 – Freitag – Erster Reisetag

Es war also so weit und unsere Aufregung groß. Das Sambia-Abenteuer startete.
Eine-Welt-Engagement Düren und Fair Handel Alsdorf, die Veranstalter, hatten, wie auch schon in den voraus gegangenen Jahren, eine Bildungsreise mit Besichtigungen der geförderten Projekte über die Osterzeit angeboten.
Mit an Board dreizehn Personen, die sich an zwei Informationsnachmittagen beschnuppern durften. Dreizehn Personen, die aus unterschiedlichsten Beweggründen Sambia besuchen wollten.

An dieser Stelle möchte ich die Probanden(!) kurz vorstellen und ihnen jetzt schon meinen herzlichen Dank vermitteln. Im Laufe dieser zwei Wochen durfte ich liebenswürdige und begeisterte Helfer ohne wenn und aber kennenlernen. Mein Wunsch für die Zukunft: „Mögen es immer mehr von euch werden. Dann hat Mutter Erde und ihre Lebewesen eine Chance hin zum Guten!“
So, aber nun genug geplaudert. Hier kommen die Akteure!

  • Monika, Bernhard, Elisa, deren Tochter/ Schwester Junia ein Freiwilligenjahr in Mamba/Sambia verbringt.
  • Renate, Günter, Alina. Günter, ein Ölfreak, der schon mehrmals mit Renate, seine Frau zum Bau einer Ölmühle (biologisch) und, und, und in Sambia gewesen ist. Alina, das Nesthäkchen der Reisegruppe, durfte ihre Großeltern begleiten.
  • Susanne, sie stammt aus Berlin. Deren Tochter Maike absolviert ebenfalls ein Freiwilligenjahr und ist für die Zeit in Monze/Sambia beheimatet.
  • Johannes. Seine Tochter Veronika, auch eine Absolventin eines Freiwilligenjahres lebt momentan in Muzabuka/Sambia.
  • Laurence, eine weitere Fotografin und Grafikerin, die sich für das Layout des Jahreskalenders verantwortlich zeigte.
  • Angelika und Herbert. Engagierte Ehrenamtlicher des Fair Handel Alsdorf, die schon mehrmals in Sambia waren, um die geförderten Projekte in Sambia zu besichtigen.
  • Gabi und Georg. Afrika-Liebhaber und Sponsoren der Jahreskalender, die über fairhandel Alsdorf vertrieben werden. Darüberhinaus betätigte sich Georg als Fotograf, um neue Bilder bezüglich des Jahreskalenders 2012 zu erhalten.

Der Flieger startete Freitag, am frühen Abend von Brüssel aus. Erster kurzer Stop, Paris mit Aufsammeln weiterer Fluggäste. Das sollte aber nicht der letzte Stop für uns werden!!!
Dann Weiterflug nach Addis Abeba/Äthiopien.

16.April 2011 – Samstag – Zweiter Reisetag

Verlassen der Maschine, um mit einem anderen Flugzeug drei Stunden später nach Harare/Zimbabwe durchzustarten. Die Uhr zeigte 4.30 Uhr in der Früh. Die Müdigkeit hatte die meisten von uns fest im Griff.
Ankunft in Harare. Kurze Pause. Wir konnten aber im Flugzeug sitzen bleiben. Zwischenzeitlich zeigte die Uhr 13.45 Uhr/ Samstagnachmittag.
Dann hob die Maschine letztmalig (Halleluja) für uns ab. Ankunft in Lusaka/Sambia 15.00 Uhr.

Ein Bus stand für uns bereit. Brian, der Fahrer erwies sich über die ganze Zeit unseres Aufenthaltes als aufmerksamer und umsichtiger Chauffeur.
Endlich, nach Passkontrolle und Visavorschriften (Gebühren) ging die Reise nach Monze und dann einen letzten Schotterweg hoch zu Kizito unserer ersten Unterkunft. Vorher hatten wir noch Veronika, die Tochter von Johannes aufgesammelt, die die zwei Wochen mit uns reisen durfte.
Auch die anderen beiden Freiwilligen Junia und Maike stießen am nächsten Tag zu unserer Gruppe. Sie hatten ebenfalls die Erlaubnis erhalten, uns zu begleiten!
Weit nach 22.00 Uhr kamen wir endlich in Kizito an, Wir wollten nur noch ins Bett. Die Kräfte waren erlahmt. Zwischenzeitlich waren ja fast alle mehr als 38 Stunden auf den Beinen!
Schlafen – was war das nochmal?!? Ah, herrlich, welch ein Genuss!

17. April 2011 – Dritter Reisetag – Palmsonntag

Die Sirene ertönte. Das Frühstückssignal! Die Uhr zeigte 7.30 Uhr. Ich hatte definitiv meinen Schlaf abgebrochen. Wahrscheinlich ging es den anderen ebenso. Aber die Pflicht rief.
Pünktlich brachen wir zur Palmprozession auf. Es wimmelte von Menschen. Wir wurden herzlich aufgenommen, besonders von den Kindern. Gabi, sie tanzt schon seit Jahren afrikanisch, machte die ersten wenigen tänzerischen Bewegungen!
Die Frauen und Kinder strahlten. Sie lachten und pfiffen. Einige versuchten, sie zu imitieren. Auch die Männer schauten erfreut und zollten Respekt bei ihren Bewegungen.
Ich war wieder in Afrika! Wie wunderbar.
Nach unserem Mittagessen, das gut und reichlich war, gab es eine Zusammenkunft mit Solomon, unserem Projektkoordinator, der zuständig war für den geplanten Ablauf der Besichtigungen.
Leider verstehe ich nur minimal Englisch, so dass ich der Unterhaltung nicht folgen konnte. Mehrmals drohte ich einzuschlafen. Wie peinlich!
Den Rest des Tages hatten wir zur freien Verfügung und Eingewöhnung an das warme Klima Sambias. Zwar war zu dieser Zeit Winter in Sambia, aber mit circa 25 Grad im Mittel und Tendenz steigend, schwitzten wir ganz schön.
Ich machte noch Fotos vom schönen Anwesen Kizitos, genoss den Nachmittagskaffee und das spätere gute Abendessen, wobei wir von einem Vollmond und vielen Sternen, zum Greifen nah, verwöhnt wurden.
Dann war auch dieser Tag in Rekordzeit vergangen.

18. April 2011 – Vierter Reisetag

Unsere erste Ausflugstour mit Besichtigungen stand bevor. Das hieß: „die Sirene klingelte“, grrr, 7.30 Uhr Frühstück. Mir ging es nicht gut, besser gesagt mein Darm brachte Töne hervor, die nichts Gutes verkündigten!
Wo waren bloß die Tabletten? Ah hier, Gott sei Dank, da kann ja nichts mehr passieren!
Das Kulturzentrum der Tongas war unsere erste Station. Es gibt viele Kulturstämme in Sambia, aber in dieser Region leben überwiegend Tongas. Wir wurden mit Tanz und Trommelklängen empfangen. Die Tonga halten ihre Traditionen in Vorführungen, Vorträgen, Museum etc. für die Nachwelt lebendig.
Bei einer „Hütte der Männer“ wurde ich beim Fotografieren von einer fliegenden Ameise, nur fünf Mal größer als in Deutschland in den Oberarm gestochen. Gabi saugte mit ihrem Mund kurzer Hand das giftige(!) Sekret aus. Anschließend hatte sie für mehrere Minuten ein pelziges, betäubendes Gefühl im Mund. Dies war definitiv ein Zeichen für Gift.
Fazit: Ich sollte wohl etwas vorsichtiger sein!!!
Anschließend fuhren wir zu einer Aidsstation. Man berichtete über die geleistete Arbeit und den vielen Vernetzungswegen, die es zwischenzeitlich gibt. Aber auch Schwierigkeiten, mit denen die Helfer tagtäglich zu kämpfen hatten, wurden nicht außer acht gelassen. Mir kam es so vor, als wenn es sich um den ursprünglichen Tropfen auf den heißen Stein handelte. Aber ich bin überzeugt, auch kleine Tropfen werden irgendwann einmal zu einem großen See!
Danach fuhren wir wieder zurück ins Kulturzentrum, wo wir zu Mittag aßen. Man kann nur sagen hervorragend. Auch Laurence aß mit gutem Appetit. Sie ist Allergikerin und brachte eine Notfall(essens)ration in ihrem Koffer mit nach Sambia. Um es vorweg zu nehmen: Es ging Laurence wunderbar in Sambia, abgenommen hatte sie jedenfalls nichts!
Nach dem Essen fuhren wir zu „Günters Ölmühle“. Leider war sie nicht in Betrieb. Aber, Günter, gräm dich nicht, das wird schon werden. In Afrika braucht alles etwas länger und seine Zeit!
Auf dem Rückweg nach Kizito besuchten wir den Markt von Monze und hatten jede Menge Spaß mit Gabi. Sie tanzte den Leuten etwas vor und wir konnten ungestört fotografieren, da an ihrem Tanz alle ihre helle Freude hatten. Es war bestimmt eine Abwechslung für diese Menschen. Wann tanzt eine weiße Frau schon einmal afrikanisch?
Überhaupt, die Menschen in Sambia waren alle so herzlich und freundlich, dass einem das Herz aufging.
Am Abend saßen einige von uns noch bei einem Bier zusammen und ließen den Tag mit all den vielen Eindrücken Revue passieren.

19. April 2011 – Fünfter Reisetag

An diesem Tag unternahmen wir die weiteste Tour. Das hieß: Sirene 6.30 Uhr(!), Frühstücken! In Lusito, das über 300 Kilometer von Monze entfernt liegt, wollten wir einem „Kuhkauf“ beiwohnen: Das Entwicklungsbüro der Diözese Monze kauft Kühe, die kostenlos an Landwirte abgegeben werden. Dafür müssen diese das erste Kalb abgeben und so weiter.
Der Ort Lusito liegt in einem Gebiet, dass jedes Jahr von Elefantenherden durchwandert wird. Natürlich sind Zerstörungen vorprogrammiert. Die Buschhütten stehen auf Stelzen. Es ist ein Savannengebiet und die Menschen sind dort um ein vielfaches ärmer als in den Städten. Auch brennt die Sonne hier heißer. Wenigstens war das mein Gefühl.
Unter einem riesigen Blätterbaum mit ausladenden Ästen, waren Stühle in einem Rund aufgestellt. Der Wind blies angenehm und es war darunter erstaunlich kühl. Die Männer hatten sich in ihre feinsten Kleidungsstücke eingehüllt und saßen geduldig auf den Stühlen. Einige spielten mit ihren Handys.
Dies ist immer wieder faszinierend für mich zu beobachten. Obwohl das Leben der überwiegenden Bevölkerung in Afrika sehr karg und bildungsarm verläuft, haben die meisten von ihnen ein Handy. Warum das so ist, habe ich bis jetzt noch nicht ergründen können.
Die Frauen der Männer saßen mit ihren Kindern auf einer Matte auf dem Boden und boten uns als Willkommen ein Getränk an. Wir setzten uns und warteten ebenso. Wir warteten eine lange Zeit! Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Zwischenzeitlich standen einige Frauen auf und sangen oder tanzten zur Überbrückung. Gabi tanzte wiederum, was allen sichtlich gefiel. Die Männer, ich betone, alle afrikanischen Männer zückten ihre Handys. Dabei scheuten sie sich nicht im Geringsten, die Szenerie aufzunehmen. Dann wurde es still und wir erfuhren den Grund für das lange Warten. Der Kuhkauf war nicht zustande gekommen, da der doppelte Preis verlangt wurde. Schade. Jedoch beeindruckend für mich war, dass mit einem Gebet die Parteien friedlich auseinander gingen und man es in einigen Monaten erneut versuchen wollte.
Anschließend fuhren wir zu einer kirchlichen Gemeinde (Parish), das von einem italienischen Priester geleitet wird. Er zeigte uns eine Green Bank (Silo für Maismehl) und war sehr besorgt über die viel zu kurze Regenzeit dieses Jahres. Der Mais, wenn mich nicht alles täuscht, dass wichtigste Nahrungsmittel Sambias, könne nicht richtig wachsen und der Pfarrer befürchtete Ernteausfälle in großer Menge für seine Gemeinde.
Jetzt müssten die Menschen wieder bis zum Herbst warten, ehe mit neuen Regengüssen zu rechnen sei. Daher werde auch im Haus sehr sparsam mit dem kostbaren Gut umgegangen.
Den Abschluss dieser Tour krönte ein Abstecher zu einem heiligen Baobab. Baobabs sind die charismatischsten Bäume Afrikas schlechthin. Alle haben innerhalb ihres Stammes einen Hohlraum. In der Vergangenheit hat so manch ein Baobab Menschen beherbergt.
Erst spät abends kamen wir wieder nach Hause. Für mich war dies der anstrengendste Tag während meines zweiwöchigen Aufenthaltes in Sambia. Die Hitze, die weite Hin- und Rückfahrt, die vielen Eindrücke -mein Hirn beschäftigte sich permanent mit Lösungsvorschlägen für das Afrikanische Volk, hatten mich doch geschwächt. Körper, Geist und Seele verlangten nach einer längeren Erholungspause.

20. April 2011 – Sechster Reisetag

Die Sirene heulte. Es war 7.30 Uhr. Frühstückszeit. Dies war also meine längere Erholung! Eine Stunde länger schlafen. Aber immerhin, besser als gar nichts!
Übrigens für alle Afrikainteressierte ein kleiner Tipp von mir: „Wer eine Afrikareise wie die Unsere buchen möchte, dem sei gesagt, dass es sich nicht um Luxus pur oder Relaxen bis zum Abwinken handelt. Körper, Geist und Seele sind ständig in Bewegung und leisten Unmengen an Arbeit!“
Wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob er diese Form von Urlaub überhaupt möchte und was noch wichtiger ist, aushalten kann, sollte erst einmal eine Pauschaltouristenreise nach Afrika buchen. Spätestens dann, wenn er Land und Leute aus einiger „Entfernung“ kennen gelernt hat, wird er spüren, ob die Liebe „zu mehr Nähe“ ausreicht.
Aber nun zurück zu meinem Bericht Sambia. Im Frühstücksraum waren fast alle bis auf Susanne und die drei Freiwilligen-Mädels versammelt. Die schliefen wahrscheinlich noch oder kosteten die letzten Minuten in der Horizontalen so richtig aus. Bei allen Gruppenmitgliedern zeigten sich erste Verschleißerscheinungen!
Obwohl wir als Gruppe sehr gut harmonierten, ist es dem Europäer (wissenschaftliche Studie), anders als dem Afrikaner, wichtig, hin und wieder alleine zu sein oder sich auszuklinken aus der Gemeinschaft. Der Afrikaner liebt die Gemeinschaft und könnte niemals, noch nicht einmal wenn er sich krank fühlt, alleine sein. Das war auch schon im Senegal, bei meiner ersten Afrikareise gut zu spüren.
Vielleicht hängt es aber auch nur mit der Mentalitäts- oder Kulturform zusammen, in der man hinein geboren wird!
Mal gut, dass wir morgen am Gründonnerstag bis einschließlich Ostersonntag in kleinere Gruppen auf die Gemeinden aufgeteilt werden. Wahrscheinlich ist es dann einfacher sich auf sich selbst zu besinnen- hoffte ich jedenfalls!
Nach dem wir gefrühstückt hatten, fuhren wir nach Maamba, dort wo Junia ihr Freiwilligenjahr verbringt. Auf dem Weg dort hin kaufte sie Obst ein, da es bei den Straßenhändlern bedeutend billiger sei, wie sie sagte. Überhaupt, derjenige der von der Familie weiter fort fährt, bringt immer etwas mit. Dies sei Usus, erklärte sie.
Im Parish von Mamba, wo wir herzlich begrüßt wurden, besichtigten wir eine Computerschule für Mädchen, der wir Laptops übergaben, eine Näherei und eine Schreinerei.
Welch ein Glück für uns! Da all diese Projekte auf dem Gelände des Parish untergebracht waren, brauchten wir diesmal nicht weiter zu fahren.
Ein Ire, der für circa drei Monate in Sambia weilt und die Jugendlichen in der Schreinerei ausbildet und sie unterstützt, erklärte die momentane Arbeit und Entwicklung der Jungen. Was ihn betrübte, so der Ire, sei die mangelhafte Qualität der Maschinen und Werkzeuge und dass sie innerhalb kürzester Zeit defekt seien!
Anschließend habe ich viel darüber nachgedacht, wie man gute Maschinen und Werkzeuge in diese Werkstatt beschaffen und transportieren könnte.
Zurzeit sind gute Maschinen leider Mangelware. China, der diesen Wirtschaftszweig voll in Händen hält verkauft nur Billigware, dazu viel zu überteuert! Aber China ist nicht das einzige Land, das die afrikanischen Menschen und dieses schöne Land ausbeuten.
Aber wie sagt Gabi immer so schön: „Solange die Menschen in Macht und Gier ihre Geschäfte machen und nicht Kosten und Nutzen im Gleichgewicht für Natur und Menschen halten, wird die Welt nicht in Frieden und Liebe leben können!“ Wie wahr und wie recht sie hat!
Jedenfalls, es ist nicht zu fassen, und geht auch nicht in meinem Kopf hinein, dass die Entwicklung und Ausbildung eines Volkes so dermaßen ausgebremst wird. Es ist schon etwas anderes, wenn man davon hört oder diese Ungerechtigkeit mit eigenen Augen sehen kann!
Aber Gott sei Dank gibt es ja auch noch andere Menschen. Menschen, die helfen wegen des Helfens willen. Menschen, für die das Wort Nächstenliebe nicht nur ein Wort ist. Menschen, voller Mitgefühl und zupackend. Menschen, wie wir eben!
Im Parish aßen wir zu Mittag. Es war hervorragend, sogar mit leckerem Nachtisch und Kaffee wurden wir verwöhnt. Nach den Anstrengungen der letzten Tage mit all den vielen Projektbesichtigungen und den dadurch bedingten weiten Fahrten, war dieses Essen mit dem anschließenden ruhigen Ausklang des Tages, ein wirkliches Geschenk! Danke lieber Gott.

21. April bis 24. April 2011 – Siebter bis elfter Reisetag

Wie ich schon erwähnt hatte, wurden wir am 21. April in kleine Gruppen über die Ostertage aufgeteilt. Laurence, Gabi und meine Wenigkeit fuhren mit Father Spencer nach Muzabuka, Es sei ein großes Parish, teilte uns Veronika mit, die ebenfalls mit im Wagen saß, da sie mit Johannes, ihrem Vater, bei ihrer afrikanischen Gastfamilie in Muzabuka und deren kleineren Parish wohnen sollte.
Father John, der Leiter dieser Gemeinde und Father Oliver, ein zweiter Priester begrüßten uns auf eine jugendliche Art. Kein Wunder, sind beide doch erst 37 und 34 Jahre alt. Sie könnten meine Kinder sein!
Father Johns Liebe gilt dem Fußball. Er trainiert die erste Division, gleichzusetzen mit unserer ersten Bundesliga. Vor dem Parish waren mehrere Sportstätten(!) angelegt, natürlich nicht zu vergleichen mit dem Standard bei uns. Eher sehr schlicht und zweckmäßig.
Nichts desto Trotz spielten Unmengen an Kinder vor dem Pfarrhaus! Auch viele Mädchen spielten ihre Ballspiele. Father John scheint sehr wichtig für diese Kids zu sein!
Im Gegensatz zu Father John mag Father Oliver Popmusik, laute Popmusik! Ich erwähne dies, weil das Kirchenleben (auch die Messen, dazu komme ich später) hier so ganz anders verläuft als in Deutschland. Ob unsere Priester daheim auch Fußball unterrichten oder laute Popmusik in ihrer Freizeit hören? Nun gut, es gibt eben kulturelle Unterschiede!
Wir bezogen unsere Zimmer im Pfarrhaus, Äh, hm, gewöhnungsbedürftig, würde ich mal sagen. Schlichter als schlicht, um es anders zu formulieren. Da kommt schon große Demut auf, wenn man an sein eigenes Zuhause denkt.
Father John, mit dem ich über die nötigen Reparaturen(!) des Pfarrhauses sprach, sagte, dass er jeden erdenklichen Cent in die Jugend stecke. Die Jugend brauche Bildung und Perspektive. Denn darin liege die Zukunft Afrikas! Erst dann sei das Pfarrhaus dran! Recht hat er!
Die Tage von Gründonnerstag bis Ostersonntag standen im Zeichen der ausladenden Gottesdienste! Afrikanische Messen sind viel lebendiger. Die Menschen strömen rein oder gehen zwischendurch aus dem Gotteshaus hinaus. Keine Messe dauerte kürzer als zwei Stunden. Der Samstagabend bildete sozusagen den Höhepunkt. Sage und schreibe dreieinhalb Stunden zelebrierte Father Oliver die Messe. Als Gabi anfing mit zu tanzen (dies ist dort an einigen Stellen der Anbetung so üblich), stand die Kirche Kopf. Zum Schluss, Laurence hatte eine kleine Rede einstudiert und als wir unser mitgebrachtes Geschenk abgegeben hatten (ein Buchsbaum mit den Nationalfarben Sambias), wurden wir gefeiert wie Könige. Die Menschen haben sich wirklich total gefreut, uns in ihrer Mitte zu haben!
Für alle interessierten Leser meines Berichtes; ich habe einmal nachgerechnet. Einschließlich Palmsonntag mit der vorausgegangen Prozession und dem Theaterspiel der Kreuzigung am Karfreitag, war ich sage und schreibe 13 Stunden in der Kirche! Gabi sogar 15 Stunden. Sie hatte noch die Tongamesse am Ostersonntag besucht, wo hingegen ich und Laurence geschwänzt hatten! Was zu viel ist, ist zu viel.
Mit Father John sind wir allerdings am Karfreitag auch noch zu zwei weiteren Projekten gefahren, die ihm sehr am Herzen lagen. Beide werden, wie die anderen von uns besuchten Projekte von der Diözese Monze gefördert. Und wir konnten uns überzeugen, dass alle Spendengelder des EWE´s Düren und dem Verein fairhandel Alsdorf auf das Beste verwendet werden. Eigentlich möchte man helfen, helfen, helfen! Jedenfalls geht es mir so, wenn ich die Armut und die Bildungsproblematik sehe. Aber irgendwann muss man einen Schnitt machen. Jedoch die wichtigste Erkenntnis für mich, in allen besichtigten Projekten ist die Hilfe zur Selbsthilfe unverkennbar. Und das tröstet mich doch sehr, wenn meine vielen Gedanken der Hilfe für Afrika Achterbahn fahren.
Apropos, am Ostersamstag hatten wir noch eine bemerkenswerte Begegnung mit einer Frau aus Amerika. Ihr Name ist Katherina, ein Sprachgenie. Sie parlierte unter anderen auch in Deutsch. Seit acht Jahren lebt sie mehrere Monate in Muzabuka. Sie ist Künstlerin und unterrichtet Jugendliche, die alle eine schwere Zeit erlebt haben. Alle Jugendlichen, wohnen in eine Art Heim und verpflegen sich selber. Katharina lehrt sie Lesen und Schreiben, Kunst, die Fächer Selbstvertrauen und Lebenstauglichkeit. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau, die unter schlechtesten Bedingungen lebt und lehrt.

25. April 2011 – Ostermontag Elfter Reisetag

Jetzt war unsere Gruppe wieder komplett. Jeder hatte andere Erfahrungen aus seinem Parish mitgebracht. Nach dem Frühstück geht es nach Livingstone, dem erholsamen Teil unserer Urlaubsreise. Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich in unserer Lodge an. Noch ehe wir unsere Zimmer zugewiesen bekamen, warf ich schon einmal einen Blick auf den Swimmingpool. Ach, welcher Luxus tat sich meinen Augen auf! Und erst das Zimmer- gigantisch, sage ich Ihnen: ein Kühlschrank, der einwandfrei kühlte, und auch das Badezimmer brauchte den europäischen Standard nicht zu scheuen. Warmes Wasser, eine große Dusche! Herz, was willst du mehr! Mit dieser Unterkunft zum Abschluss – perfekt. Besser hätte es nicht sein können! Danke, Danke, Danke, Danke.

26. April 2011 – Dienstag – Zwölfter Reisetag

Nanu, keine Sirene? Die Uhr zeigte 8.30 Uhr. Ich grinste in mich hinein. Heute war mein Geburtstag! Heute sollte es zu den Viktoriafällen gehen. Die Viktoriafälle sind die größte Attraktion in Sambia. Und jetzt mit Ende der Regenzeit umso beeindruckender, da der Fluss Sambesi, der in die Viktoriafälle mündet, von den umliegenden Bergen mehr Wasser führt als die restliche Zeit des Jahres. Dann stand ich ehrfürchtig und staunend vor den Viktoriafällen. Diese geballte Kraft, das Donnern des Wassers und die wunderschönen Regenbogen. Manchmal bildeten sich sogar zwei übereinander! Selten habe ich so etwas Schönes gesehen. Die Gicht hatte mich in Sekunden pitschnass werden lassen. Was ich vorher noch belächelt hatte, als Herbert uns sagte: „Ihr werdet nass bis auf die Unterhose und achtet auf eure Kameras und Handys“, traf genauso ein. Mal gut, dass ich zuvor meine Kamera in den wasserdichten Rucksack von Herbert verstaut hatte. Mein Handy hingegen war unwiederbringlich für alle Zeiten zerstört und damit auch viele wichtige Telefonnummer, die ich mir nicht abgespeichert hatte. Am Sambesi, oberhalb der Abbruchkante der Viktoriafälle, haben wir uns von der Sonne trocknen lassen und unser Picknickessen genossen. Erst am späten Nachmittag fuhren wir zu unserer Lodge zurück. Es war ein wunderschöner gelungener Geburtstag!

27. April 2011 – Mittwoch – Dreizehnter Reisetag

Diesen Tag hatten wir zur freien Verfügung. Am Abend fand die Flussfahrt auf dem Sambesi statt. Während das Boot auf dem Sambesi in den Sonnenuntergang dahin glitt und wir dass Abendessen einnahmen, sahen wir Flusspferde, Krokodile und viele unterschiedliche Vogelarten. Es war eine eigentümliche Stimmung. Ich werde sie in meinem Erinnerungsstübchen als kostbar und besonders wertvoll ablegen. So neigte sich unser vorletzter Abend mit traumhaften Eindrücken, einem tollen Sonnenuntergang und einer wundervollen Atmosphäre seinem Ende entgegen.

28. April 2011 – Donnerstag – Vierzehnter Reisetag

In einem kleinen Nationalpark hatten wir eine Safari gebucht. Der Fahrer hatte einen äußerst geschulten Blick was das Wild anbelangte. Bis auf Löwen, Tiger (Zitat des Fahrers) und Nilpferde haben wir in diesen zwei Stunden alle Tiere von Rang und Namen sehen können. Es war gewaltig. Wenn der Urwald erwacht mit all seinen Geräuschen und Gerüchen – gigantisch! Eins ist jetzt schon sicher: Mir wird Afrika sehr fehlen, auch wenn ich mich wieder auf mein Bett und Deutschland freue!

29. April 2011 – Freitag – Rückreise nach Deutschland.

Gegen halb fünf Uhr morgens fuhren wir mit einem Linienbus von Livingstone nach Lusaka zu unserem Abflughafen. Es klappte alles reibungslos bis zu Hause in Baesweiler. Die nächsten zwei Wochen hatte ich noch mit Umstellungsproblemen zu tun, zumal ich sofort am nächsten Montag wieder mit meiner Arbeit begann.

Schlusswort

Ich hoffe, dass ich Sie, verehrte Leser, ein wenig mit den afrikanischen Gepflogenheiten und dem Land als solches bekannt machen konnte. Vielleicht findet dadurch der eine oder die andere zu einer ebensolchen Reise, wie ich es getan habe. Auch würde es mich freuen, wenn durch meinen Bericht einige weitere fleißige Helfer-/innen für Afrika dazu kommen würden. Afrika braucht Sie, Sie und Sie!

Georg Grabowski